Privatsphäre


Ohne zu fragen, nimmt sie Platz
Und schon beginnt ein endloser Satz.
Sie spricht vom Wetter, spricht vom Hund,
und dass ihr Mann nicht mehr gesund.
Vom Enkel, der gut Schachspielen kann.
Ohne Interesse nickt ein fremder Mann.
Er kann nichts sagen, kommt nicht zu Wort,
wünscht sich an einen anderen Ort.
Hört nur noch Wortfetzen in der Ferne:
"Das Urlaubshotel hatte fünf Sterne".
Jetzt tut der Mann, als würd er schlafen -
sie tuts mit Ignoranz bestrafen.
Erzählt von Rheuma und Migräne,
verdrückt dabei sogar ne Träne.
Dann schildert sie das Abitur
der Enkelin, mit Einsern nur.
Der Redeschwall, er will nicht enden,
hat doch so vieles noch zu senden.
Und als ein Mann das Handy zückt:
"da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.
Muss man denn überall telefonieren
und seine Mitmenschen schikanieren.
Das ist rücksichtslos und dreist,
was nichts Gutes mehr verheißt.
Wo kommen wir hin, wenn ganz ungeniert,
ein jeder in der Straßenbahn telefoniert?!"