Stille Post

Beim Friseur am Waschbecken, ganz ungeniert,
wird leise etwas Gehörtes zitiert.
Ein Flüstern beginnt – ganz harmlos, ganz nett:
"Herr Müller baut Regale, aus einem Brett."
Doch kaum ist der Satz durch drei Ohren geflogen,
wird daraus: "Herr Müller hat seine Frau betrogen."
Ein Raunen geht um, die Stirn bekommt Falten
und Frau Schulze tuschelt: "Der kann seine Finger nicht bei sich behalten."
Die Nachricht wandert, wird wild dekoriert,
bis niemand mehr weiß, was wirklich passiert.
"Die andre ist schwanger", "Sie ist noch blutjung",
und damit kommt die Geschichte erst richtig in Schwung.
Bekommt Flügel, obwohl nicht adressiert,
vom Kinderspiel "Stille Post" inspiriert.