Stroh
Stroh gilt redensartlich als Sinnbild der Wertlosigkeit. Der Strohmann war zunächst eine Puppe aus Stroh, die bei Kampfspielen und Volksbräuchen verwendet wurde oder als Vogelscheuche im Feld stand. Der Strohmann wird bereits im 16.Jh.als eine vorgeschobene Person im Geschäftsleben erwähnt, die einem Auftraggeber als Deckung dient. Die Strohwitwe ist eine Frau, deren Mann vorübergehend verreist ist und die daher alleine im Bettstroh liegen muss. Wenn wir von einer Person sprechen, die nur Stroh im Kopf hat oder dumm wie Stroh ist, so unterstellen wir ihr eine äußerst geringe, bis gar nicht vorhandene Intelligenz. "Dumm wie Bohnenstroh" besagte, dass jemand, der sich noch nicht einmal einen Strohsack für sein Bett leisten konnte, auch nicht besonders klug war, denn Armut ging in der Regel mit fehlender Bildung einher. Das Strohfeuer stand und steht für alles, was von nur kurzer Dauer, dafür aber sehr intensiv ist - so wie Stroh schnell und lichterloh brennt, aber dem Feuer schnell keine Nahrung mehr bieten kann, da seine Substanz aufgebraucht ist.
Es ist merkwürdig, dass Stroh mit eher negativen Attributen in Verbindung gebracht wird, denn die ausgedroschenen Halme des Getreides spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Als Einstreu in den Ställen nahm und nimmt es die Ausscheidungen der Tiere auf. Ist das Stroh durchgeweicht und von den Tieren zusammengepresst, landete es auf dem Misthaufen und die Tiere erhalten eine frische, saubere Unterlage. An der Größe des Misthaufens konnte man früher den Wohlstand eines Bauern erkennen. Der Ausspruch "Aus Scheiße Geld machen" wird noch heute, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, verwendet. Der Mist wurde im Frühjahr und Herbst, mit Viehgespannen, auf die Felder ausgebracht und diente zum Düngen des Bodens.
Auch in den Schlafzimmern fand Stroh seine Verwendung. Statt Matratzen und Daunendecken hatten die Menschen Strohsäcke in ihren Betten. Das Stroh musste mehrmals im Jahr ausgetauscht werden, da die gebrochenen und zusammengepressten Halme hart und unbequem wurden. Die Hülle ( Inlett ) bestand aus einem nicht minder kratzigen, groben Leinen und hielt das Stroh nicht wirklich sicher unter Verschluss. Daher warf man den Sack lieber aus dem Fenster, wenn ein Austausch der Füllung anstand, um den gröbsten Dreck im Haus zu vermeiden. Die alte Bettfüllung wurde natürlich nicht entsorgt, denn sie war allemal noch gut genug für ein Einstreu im Stall. Und ja, es gab tatsächlich genügend Dorfbewohner, die sich Stroh weder für ihre Schlafstätte, noch als Einstreu für die Tiere leisten konnten. Sie durften an bestimmten Tagen im Jahr Laub für Bett und Stall sammeln.
Die einfach verglasten und meist undichten Fenster wurden im November mit Stroh abgedichtet, das man erst im Frühling – zusammen mit dicken Spinnweben – entfernte. Auch der Strohbär, der den Winter verkörperte, wurde aus den trockenen Halmen hergestellt. Die mit Stroh verhüllte Person ( der Strohbär ) trieb man durchs Dorf. Dann verbrannten die Dorfbewohner das Stroh, damit der Frühling Einzug halten konnte. Ein Fenster- und Baumschmuck an Weihnachten waren und sind die dekorativen Strohsterne.
